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Neckarstadt West

Anonym

Neckarstadt West -
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Ich komme aus dem Irak. Vor fünf Monaten kam ich nach Deutschland, es war im Juli. Mein Ehemann besaß einen schwedischen Pass und wir beschlossen, nach Schweden zu gehen, zusammen mit unseren zwei Töchtern. In Schweden blieben wir vier Monate lang und versuchten eine Wohnung zu finden - vergeblich. Man muss dort sehr lange warten bis man eine Wohnung oder gar ein Zimmer bekommt. Wir wohnten bei einem Freund - es war eine schwere Zeit für mich. Es fiel mir schwer, all die Hausarbeiten zu erledigen, all die einfachen Alltagsdinge, wie das Wäschewaschen, das Bügeln... Ich kannte den Freund nicht besonders gut. Ich konnte mich nicht entspannen, sagte auch meinen Kindern, dass sie keine Fehler machen sollten. Es war kein guter Zustand. Ich fühlte mich in der Situation nicht wohl. Auch wenn es anderen schlechter ging – so ging es nicht weiter...

 

Wir telefonierten mit meinem Bruder in Deutschland. Seine Frau fragte die deutschen Behörden, ob es für meine Familie und mich denn möglich sei, auch nach Deutschland zu ziehen und eine Wohnung zu bekommen. Die Behörden entgegneten ihr dann, dass das kein Problem wäre, allerdings müssten wir die Mietkosten und auch alle anderen Kosten selbst tragen. Wir müssten dann arbeiten. Meinem Mann und mir gefiel der Vorschlag und so zogen wir im November nach Deutschland, nach Mannheim, in die Neckarstadt West. Hier, in Deutschland, haben wir eine Wohnung. Hier fühle ich mich wohl. Hier erinnert mich auch Vieles an mein Heimatland, an meine Kultur. Hier leben viele türkische Menschen und ihre Kultur ähnelt der kurdischen sehr. Stets sehe ich Menschen auf der Straße, die reden und beisammen sind und das ist gut. Bei all dem Alltagsstress ist es sehr wichtig, dass man einfach unter Menschen kommt und redet. Die Menschen hier haben eine sehr starke Gemeinschaft, sie halten zusammen, passen aufeinander auf, helfen sich gegenseitig. Das ist auch das Wichtigste an meiner Kultur, dass man gegenseitig auf sich aufpasst. Und dass man redet. Ich kann hier so sein wie ich bin, das konnte ich in Schweden nicht...

 

In der Neckarstadt verbringe ich viel Zeit im Leseladen. Dort lerne ich Deutsch. Zwei Lehrerinnen geben uns Unterricht, allerdings kann ich mich mit ihnen erstmal auch auf Englisch verständigen. Auch der Leseladen ist ein Ort, an dem ich mich sehr wohl fühle. Und meine Kinder fühlen sich hier wohl. Sie können spielen, Quatsch machen und ab und zu helfen die Lehrerinnen ihnen. Das ist wundervoll.

Das Einzige, was ich hoffe, ist, dass ich schnell Deutsch lerne, damit ich mich hier gut verständigen und ein neues Leben aufbauen kann. Auch deswegen werde ich noch ganz viele Male zum Leseladen kommen.

Weitere Geschichten gibt es ab Juni 2018 in der ganzen Stadt zu entdecken 

 

Nähere Infos zum Projekt unter

www.movingspace-mannheim.de/moving-stories