Eldorado für Stecher



1946 – Herr Kassel wohnte einige Monate bei uns, bis man ihn als Großschieber erwischte und einsperrte. Das Zimmer war wieder frei. Mein Vater als Justizbeamter, hielt sich von Kassels Geschäften immer fern. Mit dem Verlust meiner US-Zigaretten fiel die öfters praktizierte Paffrunde der Clique im Versteck aus. Doch das berührte uns nicht. Ganz schlimm war diese Zeit jedoch für starke Raucher, besonders für die, die keine US-Zigaretten „erfuggern“ konnten. Sie wurden zu passionierten „Kippenstechern“. Mit einem spitzen Nagel am unteren Ende eines Spazierstocks, wurden die Ami-Kippen, damals ohne Filter, gestochen. Dann wurde der Tabak der Kippe freigelegt und eine Zigarette gedreht, im Jargon „geschurgelt“. Eldorado für die „Stecher“ war die Endhaltestelle der Straßenbahn vor der katholischen Kirche. Hier standen die GI’s zur Fahrt in die Stadt und warfen die Kippen weg. Damals entstand der Song nach der Melodie des Songs „Sentimental Journey“, gesungen von Doris Day (1945):

Pappe guck, do vone ligt in Kippe

Stätz dich druff, sunscht is a fort.

Pappe guck, es is ä Lucky Strike

äni vun de beschte Sort

Refrain

Kippe sammeln ist heut sehr modern

Kippe sammeln dut heit jeder gern

Stichte mal feste druff

Schun is do Kippe uff

Wer Kippe sammelt bei Tag und bei Nacht

Wer Kippe sammelt hat Lungeschmacht

Pappe guck...

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