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Eislaufhalle Herzogenried

June 21, 2018

 

 

 

Vor zwei Jahren im Januar lernte ich zwei Jungs kennen, zwei Geflüchtete. Die beiden fragten mich, wie alt ich denn sei. Irgendwie waren sie mir sofort sympathisch. Manchmal lernt man jemanden kennen und es stimmt einfach. Man weiß sofort, dass man sich mit diesem Menschen gut verstehen wird. Mit dem einen von den beiden Jungs traf ich mich regelmäßig. Irgendwann kam ihm dann die Idee, zusammen Schlittschuhlaufen zu gehen. Wir verabredeten uns zum Schlittschuhlaufen und er meinte zu mir, er bringe noch einen Kumpel mit. Der Kumpel hieß Kareem.

 

Wir gingen zur Eislaufhalle Herzogenried. Mein Kumpel, Kareem und ich. Und Kareem stand die ganze Zeit an der Seite dabei. Etwas schien ihn zu beschäftigen. Ich setzte mich zu ihm. Wir unterhielten uns, Kareem und ich. Erst wollte er seine Sorgen überspielen, cool bleiben, doch irgendwas regte sich dann in ihm und er begann zu erzählen. Er erzählte mir von seinen Sorgen, obwohl er mich ja kaum kannte und wir redeten ganz lange.

 

Später gingen wir erneut Schlittschuhlaufen. Das war kurz vor Fasching und ich fragte Kareem, ob er denn Lust hätte, mit mir zusammen in meinem Dorf Fasching zu feiern. So ein richtiges deutsches „Dorf-Fasching“, in einem richtigen deutschen „Nach sieben Uhr fährt hier kein Bus mehr“-Dorf. Er wollte. Und dann kam er zu uns und wir feierten Fasching und aßen zusammen mit meinen Eltern Pizza. Mein Dad ist ein eher verschlossener Mensch, mit Kareem allerdings verstand er sich auf Anhieb gut. Und meine Mum auch. Kareem hatte Probleme damit, sich die Namen von Leuten zu merken. Meine Mum wollte ihn damit etwas necken, und fragte ihn, ob er denn immer noch ihren Namen wisse. „Natürlich“, entgegnete er dann, „du bist Mami“. Als ich klein war, hatte ich mir schon immer einen großen Bruder gewünscht und ich spürte, von nun an hatte ich einen. „Mama“, fragte ich, „kann Kareem übers Wochenende bei uns wohnen?“. Meine Mum redete dann mit meinem Dad. Er war einverstanden. Von da an übernachtete Kareem jeden Freitag- und Samstagabend bei uns.

 

Und so wurde Kareem zu einem festen Bestandteil meines Lebens. Er ist meine erste Ansprechperson, wenn ich irgendwelche Fragen oder Probleme habe. Mit ihm habe ich meine letzten Geburtstage gefeiert. Mit ihm und seiner Freundin zusammen haben wir auch letztes Jahr Weihnachten verbracht, er war auch bei der Konfirmation meiner Schwester dabei. Und als wir mein Zimmer renoviert hatten, half er wie selbstverständlich mit. Als wir uns dann bedanken wollten, entgegnete er nur: „Aber natürlich! Ihr seid meine Familie“.

 

Ab und an denke ich an den Anfang unserer Freundschaft zurück. Dann stelle ich immer wieder fest, wie wichtig dieser Ort, diese Eislaufhalle, für mich ist. Was wäre, wenn ich an dem Tag nicht Schlittschuhlaufen gegangen wäre? Wir wären uns dann zwar höchstwahrscheinlich durch die Flüchtlingshilfe trotzdem begegnet, da wir da ja beide halfen, aber dieser erste Kontakt beim Eislaufen war der Grundstein für unsere Freundschaft.

 

Heutzutage sind wir beide sehr beschäftigt, aber wir nehmen uns immer wieder Zeit füreinander. 2016 haben wir zusammen mit Kareem und seiner Freundin Magda Weihnachten gefeiert, es war wunderschön. Demnächst treffen wir uns wieder. Und dann gehen wir Schlittschuhlaufen.

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