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Bewegen und bewegt werden

June 13, 2018

 

Bewegen und bewegt werden. Sich bewegen und von anderen bewegt werden. Bewegende Momente und sich aufeinander zu bewegen.

Nichts von dem hatte ich im Sinn oder bewusst geplant als ich zum ersten Mal diesen großen Saal betreten hatte. Diesen Raum, der wie ein freundlicher Riese wirkt, der auf dem Rücken liegt: sein Bauch ist aus Holz, seine Arme sind Vorhänge mit Stühlen als Hände, die Füße sind eine große Doppeltür und der Kopf, der Kopf des Riesen ist die Bühne.

Das ist der Proberaum des Augenblicktheaters im Forum.

Da stand ich nun zum ersten Mal und wusste nicht, welche Menschen ich gleich kennenlernen werde und wusste nicht, wie viel sich bewegen wird.

So ist das fast immer, wenn man etwas "zum ersten Mal" macht. Ich ließ mich also ohne Erwartungen fallen - wollte spielen, mich entdecken, meine Grenzen testen. Aber was ich gefunden habe, zwischen Vorhängen und Holzboden, zwischen Stühlen und Bühne war noch so viel mehr.

Bewegung. Bewegung in meinem Körper, sodass ich jedes einzelne Atom in mir spüren kann. Bewegung in meinen Kopf, weil die Gedankentüren alle gleichzeitig aufgestoßen werden und sich ein buntes, wunderschönes Wirrwarr von Fäden zu einem einzigartigen Knäuel zusammenspinnt. Bewegung in meinem Herzen, weil ich die Freude und Lust, etwas ganz Besonderes zu erschaffen, in mir fühlen und in den Gesichtern jedes Einzelnen lesen kann.

Wenn man etwas Schönes wieder und wieder tut, dann bekommt es manchmal etwas Alltägliches, scheint ein bisschen an Glanz zu verlieren, so wie ein abgegriffenes Schmuckstück. Beim Augenblicktheater war es niemals so.

Oft habe ich am Dienstagabend nicht gewusst, was mich heute erwartet. Und oft habe ich mich genau darauf gefreut.

Ich ließ mich also irgendwie jedes Mal wie zum "ersten Mal” ohne Erwartungen fallen. Ein unbeschreiblich gutes Gefühl.

Ich lernte jeden einzelnen Winkel dieses Proberaumes kennen. Ich habe darin geschrien, gelacht, geschwiegen. Ich habe mich über den Holzboden gerollt, bin auf Treppen gestiegen, habe auf der Bühne gelegen. Ich sah ihn oft hell erleuchtet, ich sah ihn nur mit Spots auf die Bühne gerichtet, ich sah ihn (nicht) komplett im Dunkeln.

Manchmal wirkt er heute wie ein guter alter Freund. Einer, mit dem man so viele Geschichten erlebt hat, die man sich Jahre später abends im Schein einer fast abgebrannten Kerze erzählt und dabei so laut lacht, dass sich die Nachbarn beschweren. Denn die Seele dieses Riesen sind all die Menschen, die mit mir gespielt haben. Durch sie und meine Zeit in der Gruppe hat sich Vieles in mir bewegt, habe ich gelernt, ganz ohne Bewertung meinem Gefühl zu vertrauen, "einfach zu machen", wieder alberner zu sein. Ich habe wieder gelernt zu vertrauen - mir selbst und meinen Mitspielern.

Und all die lustigen, schönen, interessanten, traurigen, schweren, überraschenden, nachdenklichen Momente habe ich gesammelt und aufbewahrt, wie Briefmarken in einem kostbaren, alten Album. Und so kommt es, dass ich mich heute, wenn ich diesen Saal betrete, manchmal auf den Boden werfen möchte um meinen Riesen zu umarmen.

Um "Danke" zu sagen.

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